Bairro Alto

Bairro Alto

Bairro Alto, Misericórdia, Lisboa. (Karte öffnen)

Beschreibung

Das Bairro Alto, die „Oberstadt“, ist ein Raster aus engen Kopfsteinpflastergassen auf einem Hügel im Zentrum Lissabons, einen Katzensprung vom Chiado entfernt: tagsüber ruhig und altmodisch, ab Einbruch der Dunkelheit das lebhafteste Ausgehviertel der Stadt, voller Bars, Restaurants und Fadohäuser.

Tagsüber ist es ein Viertel alter Häuser mit drei oder vier Stockwerken, kleiner traditioneller Läden und Handwerkerwerkstätten, dazwischen Designerboutiquen und Tattoostudios. Einige historische Geschäfte und Tavernen, etwa der Antiquitätenhändler Solar in der Rua D. Pedro V, sind von der Stadt als „Läden mit Geschichte“ ausgezeichnet.

Abends füllen sich die Straßen mit Menschen verschiedener Generationen und Kulturen, und viele der ausländischen Studenten, die ein Erasmus-Jahr in Lissabon verbringen, treffen sich hier. Autos dürfen in den größten Teil des Viertels nicht hinein, abgesehen von Anwohnern und Rettungsfahrzeugen.

Schon der Grundriss ist ein Stück Geschichte. Das Bairro Alto entstand Anfang des 16. Jahrhunderts außerhalb der alten Mauern, als der Handel Lissabons Bevölkerung wachsen ließ.

Es wurde auf einem regelmäßigen Raster angelegt: Straßen, die zum Fluss hinunterführen, gekreuzt von Gassen, die parallel zu ihm verlaufen. 2013 feierte Lissabon 500 Jahre seit seiner Aufteilung in Parzellen, seinem ersten geometrischen Plan.

Die Häuser stehen auf langen, schmalen Grundstücken, so dicht beieinander, dass oft nur die oberen Stockwerke direktes Sonnenlicht bekommen. Das gibt den Gassen ihre dämmrige, vertraute Stimmung, in ihren Maßen seit dem 16. und 17. Jahrhundert kaum verändert.

Die Ankunft der Jesuiten in São Roque in den 1550er-Jahren löste eine zweite Bauwelle aus, und das Viertel dehnte sich nach Norden bis São Pedro de Alcântara aus. Das Erdbeben von 1755 richtete hier wenig Schaden an.

Vom 19. Jahrhundert bis ins dritte Viertel des 20. Jahrhunderts war das Bairro Alto die Heimat der wichtigsten Zeitungen und Druckereien Portugals. Journalisten, Schriftsteller, Künstler und Studenten lebten Tür an Tür mit Seemannskneipen, Kohlenhändlern und zwielichtigen Häusern. Straßennamen wie Rua Diário de Notícias und Rua d'O Século erinnern noch an die Zeitungen.

Als die Presse auszog, zogen die Bars ein: Seit den 1980er-Jahren ist das Viertel das Zentrum des Lissabonner Nachtlebens. 2010 wurde es als Stätte von öffentlichem Interesse eingestuft.
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